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Gabriele Diechler
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Leseprobe
Glaub mir, es muss Liebe sein (erscheint im Juli 2010)
PrologIch befand mich vermutlich in den mittleren Jahren. Doch wann immer sie auch beginnen mochten - schließlich kann man die Mitte nur bemessen, wenn man Anfang und Ende kennt, und wer kann schon von sich behaupten (noch dazu mit Gewissheit!), im Besitz derart wichtiger Koordinaten seines Daseins zu sein?, – in diesen gefürchteten mittleren Jahren lügt die Liebe im großen Stil. Plötzlich kommt sie mit Misstrauen und Angst daher. Mir schien es geradezu, als wolle ich mich Tag für Tag mehr in die Schwierigkeiten einleben. Immer öfter warf ich mir einen Mantel aus Melancholie über und dachte, er sei durchaus kleidsam. Dabei fraß die mühsame Beseitigung des Alltäglichen den letzten Rest Sarkasmus auf, den ich in Reserve hielt. Sarkasmus, der trösten sollte, weil ich mir so einredete, noch nicht aufgegeben zu haben. Wer zurückschlug oder zurückdachte, hatte nicht resigniert! Die ursprünglich hoffnungsfrohe Sicht auf ein Leben in Liebe war vom Leben selbst verschluckt worden, und lag mir schwer im Magen. Es ist doch meist so: entweder man lebt schon einige Jahre in einer Beziehung, und sie ist sicher nicht mehr das leichte Ding von damals, sondern hat ein wenig Rost angesetzt. Die nächste Variante: Man hatte die Liebe noch nicht gefunden, suchte inzwischen panisch nach ihr und geriet dabei in Atemnot. Das Wort ‚Outlet’ benennt eine Verkaufsstelle, in der ältere Modeartikel oder Restposten verkauft werden. Zu günstigen Preisen. Genauso schien es mir in meinen mittleren Jahren auf der Suche nach Liebe zu ergehen. Ich fühlte mich als Restposten, der günstig abzugeben war. Abstruse Entwicklung!, dachte ich bei mir. All das kann nur der himmelschreiende Verfall meiner einst mühsam zusammengehaltenen Gehirnzellen sein.
Ich wusste, dass ich zwischen zwei Welten lebte. Einer vorstellbaren und einer optisch-mentalen Täuschung. Ich überprüfte noch immer die Beziehung zu meinem Mann Thomas, die mehr und mehr verwässerte. Insgeheim war ich mir sicher, dass Liebe anders war, als das, was ich durchstand. Unser Sexualleben war irgendwann während der letzten zwei Jahre träger geworden und schließlich vollständig zum Erliegen gekommen. Anfangs hatte ich nur hin und wieder darüber nachgedacht, was mit mir und ihm los war. Doch je mehr Monate vergingen, umso drängender wurde der schreckliche Verdacht, es könne sich um den Beginn einer sterbenden Liebe handeln. Einer, von der ich nicht mal mehr sagen konnte, wann sie ihren emotionalen Höhepunkt gefeiert hatte. Immer öfter stand ich morgens vorm Spiegel und versuchte die letzten Reste Frausein irgendwo zwischen meinen üppigen rotbraunen Haaren, den noch ungeschminkten braunen Augen und meinen, wie ich fand, gerade richtig ausgeprägten Lippen zu finden. Meine Figur war zwar immer schon ein heikles Thema gewesen, aber mit dem Rest, vor allem mit meinem Gesicht, war ich durchaus zufrieden. Was trieb also ausgerechnet meinen Mann dazu, jegliches Interesse an der körperlichen Liebe zu verlieren? Und wieso war ich gezwungen, dieses Spiel mitzuspielen? Immer, wenn ich ihn auf unser Desaster ansprach, redete er sich heraus. Von wegen viel zu viel Arbeit und Rückenschmerzen. Es gab auch keine Anzeichen dafür, dass eine andere Frau dahintersteckte. Zumindest keine offensichtlichen. Und eine Therapie kam für Thomas schon gar nicht infrage. Von so was hielt er so viel, wie ich von einem Urlaub in der Antarktis. Er brauche lediglich ein bisschen Zeit für sich. Aber den Zeitrahmen, den er dabei im Auge hielt, konnte ich bald nicht mehr übersehen. Ich war verzweifelt. Anstatt glücklich zu sein, hatte ich mich, vorläufig zumindest, mit allem abgefunden und ein Spinnennetz aus scheinbarer Gleichgültigkeit in meinem Gehirn ausgebreitet. Darin zappelte ich ums Überleben. Das Einzige, was ich machen konnte, war leben! Vielleicht hatte mir bisher aber auch nur eine Anleitung zur Liebe gefehlt? Wenn ich richtig deprimiert war, las ich mir immer dasselbe Gedicht vor und las es immer wieder:
Manchmal, wenn du müde von der Anstrengung um dein Glück bist und traurig über den Menschen neben dir der nicht falsch und doch nicht richtig ist, und auch wenn du erschrickst wegen all der Worte die einsam machen, dann soll Hoffnung dich wiegen, sicher sollst du sein im Schoß des Lebens.......... ......... denn irgendwo ist Liebe!
Beim Lesen musste ich jedes Mal heulen. Etwas sagte mir, dass es genauso war, wie in diesen Zeilen beschrieben. Irgendwo war Liebe. Ich hatte allerdings etwas Wichtiges übersehen. Ich suchte bei Thomas danach anstatt bei mir.
Der Schulfreund
Es kam eines Montags wie ein schweres Gewitter über mich. Ich stand, wie immer als Franziska Durvos, die meist gegen zwei, drei Kilo zu viel auf den Hüften ankämpfte, gegen sechs Uhr auf. Als ich im Spiegel im Bad registrierte, dass meine Haare längst in die Hände eines Friseurs gehörten, ich jedoch jedes Interesse daran verloren hatte und danach die auberginefarbenen Schatten unter meinen Augen sah, war klar, dass ich gehen musste. Eine Ehe als Vergangenheit im Gepäck und eine provisorische Zukunft im Visier. Keine vage Trennlinie sondern ein harter, sauberer Schnitt. In letzter Zeit wäre ich am liebsten in der Beschämung über mein eigenes Unglück versunken. Darüber, dass ich nur noch eines tat: auf Thomas warten, auf seinen Beschluss das Leben noch mal anzugehen. Dabei hatte ich mich völlig verloren. In dieser Beziehung hatte ich nur noch ein Bleiberecht, kein Genussrecht. Zu wenig zum emotionalen Überleben.
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Glutnester (erschienen im Februar 2011)
In Kruchenhausen geht in dieser Minute ein Mann in die Knie. Hebt einen Slip auf, der sich vor ihm ausbreitet, wie ein Geschenk. Schlüpft mit dem Zeigefinger in die schmalste Stelle. Hebt ihn an. Der Slip vollführt einen verheißungsvollen Tanz vor seinen Augen. Der Mann führt sich den Stoff an die Nase. Gierig. Und saugt. Zieht den süßlich-intensiven Geruch des weiblichen Geschlechts ein. Eines Hautstücks, das sich noch vor kurzem in die Mitte des Slips geschmiegt hat. Passgenau. Eine sanfte, verborgene Blüte. Seine Nasenwände weiten sich, bis es nicht mehr geht. Seine Augen verengen sich zu abwesenden Schlitzen. Die Hand krümmt sich um den dünnen Stoff. Ballt sich zur Faust zusammen. Dann lässt alles nach. Abrupt. Die Augen springen auf. Die Hand lässt ab. Der Slip fällt zu Boden. Die Nase pustet Luft aus. Jetzt fährt die Hand an den Reißverschluss seiner Hose. Er öffnet ihn hastig. Greift sich begierig unter einen anderen, dickeren Stoff. Spürt die bissige Hitze des freigelegten Fleisches. Das gewaltige Pochen der Lust empfängt ihn. Seine Hand umfasst das Fleisch endgültig. Er unterdrückt ein befreiendes Stöhnen. Das Tier wacht empört auf und fährt seine Krallen aus. Er hat längst aufgehört den Hunger in sich bezwingen zu wollen. Hat sich den schmatzenden Geräuschen, dem nicht enden wollenden Appetit, ergeben. Sein Unterkiefer bewegt sich knirschend. Zermalmt jedes leise Wort der Schuld und der Ablehnung. In seinem Gehirn tanzen Stahlnägel. Wüten hart in ihm. Bohren und schlagen ein Loch des Nichtwissens. Er beginnt hart an sich zu arbeiten. Der Duft des Slips begleitet ihn. Sein Leben findet im eisigen Schatten seiner heißen Begierde statt. Und er muss gehorchen.
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Glutnestrer (erschienen im Februar 2011)
Elsa steigt die Treppe des Zweifamilienhauses hinauf. Vor einer weiß gestrichenen Tür bleibt sie stehen. Atmet bewusst ein und aus und streckt sich unmerklich dabei. Dann sucht ihr Zeigefinger sein Ziel. Einen kleinen, polierten Messingknopf. Die Klingel zu Ben Fürnkreis’ Wohnung. Elsa spürt kein Zaudern in sich, nur eine gesunde Anspannung, die der geplanten, nun in die Tat umgesetzten Handlung, dem Klingeln, vorausgeht. Ein eindringlich schriller Ton fährt ihr ins Ohr. Es dauert einen Moment. Dann wird die Tür geöffnet. Ben steht in Boxershorts und T-Shirt, mit nackten Füßen und Rasierschaum im Gesicht, vor ihr. „Was machst du denn hier? Um die Zeit!“, Ben wirft einen irritierten Blick auf seine Armbanduhr, die an seinem Handgelenk plötzlich fehl am Platz wirkt, wenn man den Rest seiner Aufmachung bedenkt. „Darf ich?“ Elsa betritt den Vorraum seiner Wohnung, ohne auf sein „Herein mit dir!“, zu warten. Ben, der zur Seite gewichen ist, wischt sich mit einem Handtuch, das auf der Anrichte im Flur offenbar von ihm abgelegt wurde, das Gesicht sauber. „Ist was passiert? Gibt’s Neuigkeiten?“, will er wissen. „Ja.“ Elsa schaut ihn bestimmt an. Dann tritt sie vor. Ihre Jacke, die sie vorsorglich zugeknöpft hat, streift sein Shirt. „Ich bin endlich wach geworden“, erklärt sie. „Aha. Ausgerechnet zur Schlafenszeit?“ Ben lacht und will Elsa mit seiner Hand, die er kaum merklich an ihre Schulter geführt hat, ins Wohnzimmer dirigieren. „Warte!“ Elsa hält ihn mit einem weichen, spielerischen Blick zurück. „Was ich vorhabe, lässt sich auch hier verwirklichen.“ Sie lehnt sich erneut vor, ihm entgegen. Bis ihr Körper seinen tatsächlich berührt. Ben stößt leise die Luft aus den Lungen. Seine und ihre Haut sind lediglich durch dünne Schichten Kleidung voneinander getrennt. Er muss nur die nötige Fantasie aufbringen. Dann ist die Kleidung nicht länger existent. Dann drängt Elsa sich in ihrer ganzen verführerischen Nacktheit an seine bereite Haut. „Elsa“, raunt er und birgt seinen Kopf einen innigen Moment lang in ihrer warmen Halsbeuge. Um den Geruch aufzusaugen, den sie durch die Tage trägt. Diesen für ihn schon so lange begehrlichen Geruch. Sie hebt sachte den Kopf und visiert seinen Mund an, der noch nach Rasierschaum duftet. Präzise legt sie ihre Lippen auf seine. Ein erster, scheuer Kuss. Er öffnet sich ihr, lässt einen dünnen Spalt zwischen seinen Lippen entstehen. Elsa folgt ihm nach, breitet ihr feuchtes Fleisch unter ihm aus und lädt Bens Atem ein in ihr Platz zu nehmen. Sie spürt, wie er lautlos nachgibt. Wie seine Lippen sich an sie klammern, er seinen Mund fester auf ihren presst. Gleichzeitig schlingen seine Arme sich um ihren Körper. Und die ihren um seinen. Seine Zunge schiebt sich in ihre feuchtwarme Höhle hinein. Und ihre sich in ihn. Sie nehmen beide, wechselseitig, ihre intimen Geschmäcker in sich auf. Herbsüß. Ihre Lippen sind jetzt eine einzige Aufforderung. Eine wunderschöne Einladung für etwas Kommendes. Sie küsst ihn über den Beginn und das angenommene Ende seines Mundes hinweg. Bis zu den Wangen. Alles was er ist, auskostend. Einen Kuss in einer Intensität, wie sie es lange nicht mehr erlebt hat. Ben stöhnt auf. Er schiebt sie vorsichtig von sich weg. Ihre Lippen lösen sich schwer voneinander. Er schaut sie überrascht, aber auch begierig an. „Was machst du mit mir“, flüstert er. Seine Hand fährt zärtlich ihren Arm entlang. Bis seine Finger an ihrer Hüfte liegen. Eine greifbare Leichtigkeit dringt unerwartet in Elsas Körper. Sie spürt, wie alles in ihr schwerelos wird. Ihr Geist hat diese Leichtigkeit vorweggenommen. Jetzt bringt sie sie in die Realität ihres Körpers. In die Tatsächlichkeit des Moments. Ihre Sehnen, Muskeln, ihr Fleisch, ihr Blut, sämtliche Körperflüssigkeiten reagieren auf ihr Empfinden. Elsa schaut Ben an und lächelt aus vollem Herzen. Warm, ehrlich und dabei auf friedvolle Art verletzbar. Eine Verletzlichkeit, die sie nicht länger fürchtet, sondern die sie sucht. Weil sie der Same jeder Lebendigkeit ist. „Danke“, erwidert sie, obwohl das keine Antwort auf Bens Frage ist. Sie küsst ihn erneut. Diesmal flüchtig, dabei aber nicht weniger innig. „Ich danke dir sehr.“ Elsa löst ihre Hand von Bens Bauch. Dort hatte sie eine kurze Weile lang einen wunderbaren Ankerplatz gefunden. Sie lächelt ein letztes Mal. Dann dreht sie sich um, erfasst die Türklinke, drückt sie hinunter und verlässt seine Wohnung. Er schaut ihr, einen kurzen Moment verdutzt, dann die Situation akzeptierend, hinterher. Bleibt allein im Vorraum zurück. Einem Raum, der sich mit ihrer beider beginnenden Lust, dem flüchtigen Zauber keimender Begierde aufgeladen hat. Leseprobe Hallo, Herr Doktor! Sie kennen das ja. Termin beim Gynäkologen, und Sie haben keine Lust. Der stellt doch nur unangenehme Fragen, benützt, ohne Witz, seine blitzblanken Instrumente und will das Ganze auch noch bezahlt haben. Ein fragwürdiges Vergnügen. Dachte ich zumindest bis letzte Woche. Da musste ich nämlich wieder hin. Zum Frauenarzt. Zu Beginn entsprach alles der Norm. Ich betrete die Praxis. Kleines Vorzimmer, unerträglich viele Babyfotos, die einen an durchwachte Nächte in der Vergangenheit erinnern. Sie wissen schon: Die Zeit, als leidenschaftlicher Sex öfter im Traum als in ihrem Bett vorkam. Schnell weg mit diesen Gedanken. Da kann einem glatt übel werden, ohne schwanger zu sein. Als nächstes registriert meine Nase diesen typischen Arztgeruch. Geht es Ihnen auch so? Man fühlt sich gleich ein bisschen unsicher. Ich dachte schon: Na ja, wie zu erwarten! Doch Pustekuchen. Ich wusste noch nicht, was auf mich zukommen würde. Sonst hätte ich mich schon mal vorgefreut. So für ein Minütchen. Man will schließlich was davon haben. Von diesem netten Arztbesuch. Der Herr Doktor hatte die Wände seines Behandlungszimmers mit Zertifikaten tapeziert. Überall glänzten goldene Krönchen und Lorbeerkränze zu mir herunter. Er sei Vertreter der Humortherapie, nebenberuflich sozusagen. Deshalb gehe es bei ihm auch ein wenig unkonventioneller zu, als bei Kollegen. Er wolle seinen Patientinnen etwas bieten. Frauenarztbesuch zum Mitmachen sozusagen. Live dabei, während er............. Na, Sie wissen schon. Als er mich fragte, was ich auf dem Herzen habe, hätte ich am liebsten gesagt: „Ach, ich wollte nur mal so vorbeischauen!“ Da ich leider schlecht im Lügen bin, entkam mir der wahre Grund meines Besuches. Ich brauchte eine neue Spirale. „Na prima!“, trompetete er und verpasste seinem Gesicht ein Rundumlächeln. Ob geliftet oder normal, das war mir in dem Moment wurst. Irgendetwas in mir dachte: Oh Gott! Warum habe ich das nur gesagt. Was folgte war ein Feuerwerk an Arzt-Überraschungen. Eine Behandlung a là Kirmesbesuch. Sie dürfen überall mal mitmachen. Er meinte, ich solle schon mal auf den Stuhl hüpfen, setzen ginge auch, wenn ich’s gemütlicher wolle. Dann drückte er mir einen Spiegel in die Hand, zeigte mir, wie ich ihn richtig halten müsse, um alles schön mitzubekommen und dann legte er los. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Ich bin grundsätzlich an meiner Person interessiert. Von Außen. Ob ich mich von innen betrachten möchte, darüber hatte ich mir nie ernsthaft Gedanken gemacht. Hätte ich doch nur! Denn nun bekam ich mich im Rundum Service zu sehen. Von Innen aus der ersten Reihe mit Flutlicht von oben. „Sehen Sie das Fädchen!“, meinte er, während ich versuchte möglichst unentdeckt wegzusehen. „Das ist eindeutig zu lang. Hatten Sie damit keine Probleme?“ Da fiel es mir wieder ein. Damals, als ich erst drei Monate mit Volker zusammen war. Wir liebten uns leidenschaftlich auf dem Sofa im Wohnzimmer und plötzlich schrie er auf. Es sei etwas nicht in Ordnung. Ich starrte ihn erschüttert an. Meine Spirale sei, so glaube er, runter gefallen. Ich wurde sekundenschnell knallrot. „Was heißt runter gefallen?“, schrie ich. Was folgte war eine mit überhöhter Geschwindigkeit zurückgelegte Fahrt ins nächste Krankenhaus, es war natürlich Sonntag, und die Mitteilung der Frauenärztin, dass dieses störende, pieksende Etwas lediglich der Faden sei, um die Spirale wieder zu entfernen. Kein Grund zur Panik! „Dieses kleine Schlingelchen, das Ihnen soviel Unannehmlichkeiten bereitet hat, killen wir augenblicklich,“ fuhr mein neuer Frauenarzt fort. Und schon hielt er mir die ausgediente Spirale unter die Nase, als handle es sich um die neueste Louis Vuitton Tasche der Herbst-, Winterkollektion. Der neue Faden würde sozusagen ein Mikro-Mini sein. Den könne nicht mal ein Außerirdischer aufspüren. Ich stimmte in sein Lachen ein, weil er so herzlich damit begonnen hatte. „Nun hüpfen Sie mal wieder schön hinunter!“, meinte der Mann, der eindeutig promoviert hatte, schüttelte mir ausführlich die Hand, nachdem er seine gewaschen hatte und wünschte mir ein heißes Liebesleben, damit sich die ganze Herumhantiererei auch gelohnt habe. Irgendwie war ich gar nicht erleichtert. Weil ich die typische Arztprozedur nicht hinter mich gebracht hatte. Ich kam mir eher wie nach einem Kabarettbesuch vor. „Rechnung kriegen Sie draußen,“ sagte mein Arzt noch und widmete sich wieder seinem Computer. Ich vermute, um neue Behandlungsmethoden auszutüfteln. Als ich vors Haus trat, musste ich schmunzeln. Zumindest würde ich diesen Arztbesuch so schnell nicht vergessen. Und ein bisschen Spaß konnte schließlich auch nicht schaden, oder? Vielleicht sollte auch ich meinem Leben ab und zu ein bisschen was Unkonventionelles, ein wenig Außergewöhnlichkeit verpassen. Wer sagt eigentlich, dass alles immer wie immer sein muss. Zwei Wochen später war ich übrigens beim Zahnarzt. Ich möchte nicht vorgreifen. Aber was ich da erlebte, setzte dem Ganzen die Krone auf. In ganz anderem Sinne, als Sie vermuten. Also! Bis demnächst.
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